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  „Ma'rea, Se'oph und ihr Kind” von Vj'an   (Emailadresse siehe Autorenseite),   Dezember 2003
Alle hier vorkommenden Personen gehören den jeweiligen Eigentümern. Mission Erde/Earth: Final Conflict gehören Tribune Entertainment Co., Lost Script Prod. Inc., Atlantis Films und VOX. Bitte veröffentlichen Sie diese Geschichte nicht ohne vorheriges Einverständnis der Autorin.
 
Thema:  Die Weihnachtsgeschichte für einmal auf die Taelon übertragen.
Zeitpunkt:  von der Serie unabhängig.
Charaktere:  Ma'rea, Se'oph, Je'son, weitere Taelon, Josen, sowie kleinere Rollen einzelner Völker
 
Anmerkung:  Diese Geschichte wurde als Teil des Adventskalenders 2003 geschrieben.
 

 

MA'REA, SE'OPH UND IHR KIND

oder - die Weihnachtsgeschichte mal anders.

 

Mittlerweile litt das ganze Volk unter dem zur Neige gehen der Energie. Die wenigen, die noch ins Ka'atham kamen und als stark genug bewertet wurden, dies auch zu überstehen, fürchteten sich aus verständlichen persönlichen Gründen noch weitaus mehr als die übrigen davor, dass auch ihre Nachkommen das Schicksal der anderen teilen würden. Die führenden Mitglieder des Volkes waren ratlos, keiner wusste, wie man He'eos - so nannten sie den Verlust der Energie in ihrer Sprache - kontrollieren konnte, wie ihn gar aus ihren Reihen verbannen. He'eos war für sie im Laufe der Zeit schlimmer als alle Krankheit geworden, denn gegen diese fanden die Heiler wenigstens ein Gegenmittel. Doch bei He'eos waren Heiler, Wissenschaftler und Historiker gleichermaßen ratlos.

Die Führenden sahen die stärker aufkommende Verzweiflung ihrer Brüder und suchten nach Lösungen. Viele andere Völker bereisten sie und immer weiter wurden sie dabei in die Verzweiflung getrieben. Bis die Idee aufkeimte, dass man einander, statt nur das gegenseitige Leid zu teilen, helfen musste, und so riefen sie auf zur Stärkung dessen, was sie allesamt verband. Ihre Geister rückten näher zueinander, füllten die Lücken, welche die Opfer von He'eos hinterlassen hatten, und schafften es, einen Grossteil des Leides, welches sie alle plagte, zu verdrängen.

In diesem Umfeld lebten nun denn auch Ma'rea und Se'oph. Sie waren Partner. Beide befanden sich bereits seit längerem im Ka'atham und setzten sich mit allem, was sie hatten, dafür ein, dass ihr Kind vielleicht doch mit genügend Grundenergie und Stabilität für ein Leben, für ein langes Leben zur Welt kam. Mit dieser Einstellung ließen die beiden sich gut in der breiten Masse ihres Volkes einordnen.

So brauchte jeder von ihnen denn auch mehr Zeit für sich, je näher der Tag der Entscheidung rückte. Ma'rea, die früher oft durch die Aufgaben ihrer Eltern an vielen Gewässern unterschiedlichster Prägung ihre Zeit verbrachte, zog es auch nun wieder eher an solche Orte als Se'oph. Dieser fand seine Ruhe immer nur in der Ausübung seiner Tätigkeit als Erbauer.

Ma'rea, die die Trägerin der Energie des werdenden Kindes in sich trug, schritt sodann auch dieses eine Mal wieder allein durch die Natur an einem jungen Bach entlang und fragte sich, was denn nun mit ihrem Kind werden würde, wie sie es nennen könnten, als von der Seite, durch ein halbhohes Gewächs eine Stimme erklang. Sie sang regelrecht in Worten Ma'reas Sprache: „Sinaui Euhura, ist dies noch der Gruß deines Volkes, Ma'rea?”, dann zwei leise Schritte, welche nur durch das Rascheln der Pflanzen als solche zu vernehmen waren, „Habe keine Angst. Ich bin gekommen, um dir eine Kunde zu überbringen. Du hast Kenntnis eurer Legenden, eurer Mythen. Die Zeit eures Leides neigt sich dem Ende, Ma'rea.” Mit bewusster Absicht nannte die Stimme den Namen der Angesprochenen wiederholte Male.
Ma'rea aber verstand nicht, sie hatte Angst, konnte dies aber ihrer Gemeinschaft nicht mitteilen, unbewusst hinderte sie etwas, riet ihr, still zu bleiben, und diesem Rat folgte sie, vertraute sie, ohne es irgendwie begründen zu können. Gerade noch hatte sie ihre Gedanken treiben lassen, weit von ihr fort, gleich dem Fließgewässer, dessen Lauf sie zu Fuß verfolgt hatte, bis... ja, bis hierher.

„Es wird ein Ende des Leides kommen, in der tiefsten Stunde wird das Licht die drohende Finsternis abwehren. Dein Kind ist es, dass dazu erwählt wurde, genauso wie auch du und Se'oph es sind, um den Legenden zur Wahrheit zu verhelfen, Ma'rea. Ihr wart niemals allein.”, erklang es melodisch und in beruhigender Weise weiter.
„Mein.. Kind? Woher weißt du von ihm? Wer bist du?”, fragte sie verwirrt nach. Wispernd erklang es: „Fürchte dich nicht, Ma'rea... „, und ein zarter, heller Schimmer zeigte sich vor ihr, der erst beim Näherkommen zu einer klar erkennbaren Kontur wurde, welche der Taelon nun doch eindeutig zu identifizieren wusste. „Ich sehe, deine Fragen sind beantwortet... Doch ich sage dir noch einmal: Fürchte dich nicht, Ma'rea, du und dein Volk, ihr wart niemals allein.” Sanft schritt die leuchtende, sich bereits wieder auflösende Silhouette eines lichten Wesens auf den Taelon zu und strich ihm mit einer beruhigenden und weichen Geste über die Stirn zur Nasenwurzel, dort weiter über die Nase, dann über die Lippen bis hinunter zum Kinn, wobei dies auch der Moment war, in welchem das Abbild gänzlich verschwunden war.

Unschlüssig blieb ein Wesen, welches nicht zum eigentlichen Bild jenes Planeten gehörte, stehen, blickte an den nun leeren Ort, wo zuvor noch ein anderer gestanden hatte. Ob er dort wirklich gestanden hatte, bezweifelte sie allerdings schon bald, als die beruhigenden Einflüsse allmählich schwanden. Zurück blieb nur die Verwirrung darüber, dass nichts anderes geschehen war, dass sie ihn nicht zuvor bereits gespürt hatte, dass ihre Angst spätestens im Moment seiner zärtlichen Berührung gänzlich verschwunden war. Nur langsam vernahm sie das verspielte Plätschern des nahen Wassers wieder, kniete davor hernieder und tauchte ihre Hände darin ein. Eine wohltuende Kühle umflossen sogleich ihre Finger, wirbelten um die wie in einem glasigen Gefäß fließenden Adern des Taelons. Verschwommen war da was, etwas, dass sie auch weiterhin schweigen ließ über das, was sie gesehen hatte. Einzig Se'oph berichtete sie später unter der Bedingung des Stillschweigens von ihrem Erlebnis. Dieser aber war davon keineswegs angetan, nein, es kam schlimmer, er war bereit seine Partnerin zu verstoßen, da er ihre Ansichten nicht im geringsten teilte, was die Bedeutung des Kindes anging. Auch fing er an sie zu beschwören, sie zu überzeugen, dass sie sich irrte, vielleicht getäuscht wurde. Erst Tage später, als sich die Lage zuspitzte und die Energie des werdenden Kindes begann in Ma'reas Körper instabil zu werden, da die beiden Eltern sie nicht weiter stärkten und formten, geschah etwas Wunderbares. Dieses Mal aber war es Se'oph, welcher nicht wusste, wie ihm geschah. Er war gerade dabei eines der kleineren Schiffe alleine zu vollenden, als er regelrecht fühlte, wie sich von hinten etwas näherte. Es war eine unbestimmte Bewegung, kein Geräusch, keine Schritte waren zu vernehmen. Doch der Erbauer wagte sich nicht umzuwenden, zwang sich weiter zu arbeiten, als wäre nichts gewesen und versuchte sich weiter auf die Materialien und Werkzeuge zu konzentrieren, was aber schlichtweg unmöglich wurde, da sein Geist sich immer mehr nach hinten ausrichtete, bis Se'oph dem schließlich zum Teil nachgab. Doch die Präsenz gab sich damit nicht zufrieden, sie würde ihn erst wieder seiner Ruhe überlassen, wenn er ihr mit ganzem Ohr zugehört hätte. Leise bewegte sie sich weiter umher im Raum, wissend, dass seine Energie dies registrieren konnte, sie hatte Zeit. Dann endlich, der Taelon legte sein Werkzeug ab und wandte sich sichtlich genervt um. Mit einem Lächeln trat die Präsenz sodann langsam und beruhigend in Erscheinung. „Grüße dich, Se'oph! Nein, habe keine Furcht, ich bin nicht hier aus jenem Grund, den du dir gerade denken magst.”, sprach sie leise und ohne jegliche Überheblichkeit, ließ dann aber dem Angesprochenen etwas Raum ehe sie weitersprach, „Ma'rea hat dir berichtet, was ihr kundgetan wurde... Wieso schwiegst du, wenn du es doch nicht für wahr erachtest? Nein, du brauchst nicht zu antworten.”, wieder verstummte die helle Stimme der unbekannten weißen Gestalt, welche nun langsam näher trat, ohne Angst zu erwecken, „Bitte, Se'oph, lass Ma'rea nicht zu dieser Zeit alleine, versuche nicht gegen etwas anzugehen, dass du nicht kennst, nur weil du dich fürchtest.”.
Eine weitere, diesmal aber kürzere Stille folgte. Die Gestalt war nun ganz nah, hielt ihre Hände offen hin und sprach mit tiefsten Verständnis: „Auch wenn du es nicht weißt, Se'oph, du, deine Partnerin, ihr alle, ihr wart niemals allein, zu keiner Zeit, schien sie auch noch so dunkel.”. Se'oph erhob sich, blickte aber nur auf die Füße der hell leuchtenden Gestalt, zögerte selbst den Blick zu erheben, wie diese es mit Gesten ihrer Hände erbat. Er wollte etwas erwidern, wollte sagen, dass er das nicht tun konnte, doch sein ganzer Körper weigerte sich, sagte zu seinem Verstand, dass es nicht das wäre, was er selbst in Wirklichkeit wolle. Zutiefst berührt stand er nun auf eine Weise wie erstarrt da und verstand nicht, wie ihm geschah, was nun war und was nicht.
Die Präsenz aber hatte dies erkannt, bereits vermutet und bot ihm eine ihrer Hände an, als Zeugnis ihrer Existenz. Der Erbauer griff danach, ohne es wirklich bewusst zu wollen und ihn umgab sofort ein tiefer, innerer Friede und er antwortete zutiefst bewegt: „Ich werde tun, was meine Aufgabe ist. Jetzt weiß ich, dass es wahr ist, was ich gehört habe. Ich werde Ma'rea beistehen, ihr und auch unserem Kind, was auch immer geschehen möge.”
Ein ehrlich erfreutes Lächeln war die Antwort, ehe das silbrig weiße Licht von innen her fast wie aufbrach und verschwand. Nicht erlosch, sondern regelrecht verschwand, ohne an ihrer Leuchtkraft zu verlieren.

Einen Moment noch blieb Se'oph stehen, fast wie erwartend, dass noch etwas folgen möge, brach dann aber sogleich auf, um seine Partnerin zu finden. Er ahnte, wo er sie finden würde und er hatte recht behalten. Kaum dass er in ihre Nähe kam - was er, weil er sich schämte nur schleichend und zögerlich tat - sprang sie auf und eilte auf ihn zu.
Ihre bereits halb verblassten Energieadern gewannen neue Farbe, neue Leuchtkraft, als Ma'rea den Namen ihres Partners über die Lippen gleiten ließ: „Se'oph! Du hast es also selbst erlebt?”, fragte sie, obwohl sie es bereits an seinen Zügen erkannte.
„Ja, Ma'rea, ich hätte nicht Zweifeln dürfen.”, antwortete er ihr beschämt und erleichtert zugleich. Erleichtert darüber, dass sie ihm vergab.
Und so nahmen sie sich bei den Händen, und taten was notwendig war, um ihr Kind zu retten, zu verhindern, dass sich dessen Energie weiter destabilisierte.

Die Zeit des Aufbruches kam näher, nun mussten auch sie diese Region verlassen. Wie schon für viele ihres Volkes wurde auch für Ma'rea und Se'oph nun das Mutterschiff, ihre Arche, zum neuen Heim. Jenes Gebilde, welches wegen He'eos erst erschaffen wurde, welches an nahezu jedem Gangende an He'eos erinnerte.
Es war dies aber auch eine Zeit, in welcher viele ihrer Art Zuflucht auf jenem Schiff suchten, dem Schiff, von welchem man sich Rettung für das gesamte Volk erhoffte.

Die Führenden des ganzen Volkes, sowie die Führenden der Kasten hofften, dass eines Tages das Schiff einen Planeten der Hoffnung aufsuchen würde auf seinem unendlich lang scheinenden Weg. Schon seit vielen Jahrhunderten durchzog es das immer kleiner werdende Hoheitsgebiet des Volkes.
Doch allmählich, als weitere He'eos erlagen, schwand auch diese Hoffnung und war zu der Zeit, als Ma'rea und Se'oph zu den bereits dort Hausenden stießen, kaum noch vorhanden, außer in den Bewusstsein einiger weniger.

Nun, das Mutterschiff konnte den großen Andrang nicht aufnehmen, so kam es, dass in manchen Quartieren zwei oder drei zusammenlebten, abgelegene Gänge zu Lagern umgewandelt wurden, um nach und nach die Plätze jener, welche von He'eos zu stark getroffen wurden, zu übernehmen und in deren Quartiere zu übersiedeln. Auch Ma'rea und Se'oph fanden in keinem der Räume mehr einen Platz, doch wollten sie des Geheimnis wegen, welches sie teilten, nicht bei den anderen in einem der Gänge ihr Lager halten, sondern suchten einen Ort im Schiff, an welchem sie mehr für sich sein würden. Se'oph, der wusste, dass es bis zur letzten Phase in der Entstehung ihres gemeinsamen Kindes nicht mehr weit war, bot seiner Partnerin an, alleine vor zu gehen und einen ruhigen Ort zu suchen. Sie aber wollte lieber in seiner Nähe sein, denn eine leichte Angst verfolgte sie, sie wusste nicht, was weiter mit ihr passieren würde, fühlte nur, dass bald etwas geschehen sollte.

Gemeinsam gingen sie so durch die Gänge, fragten sich durch. Doch keiner konnte ihnen helfen. Bei jedem, dem sie begegneten, war bereits alles voll.
Nur einer wusste Rat. Es gab zwar auch bei ihm keinen Platz mehr, dafür aber wusste er, wo es etwas gab, das den Wünschen der Beiden entsprechen dürfte. So riet er ihnen, hinunter zu den Shuttles zu gehen und eines der reparaturbedürftigen zu belegen, da man diese derzeit ohnehin nicht zu reparieren gedachte. Mit freundlichem Dank zogen die zwei sogleich eifrig die Gänge hinunter dorthin und wurden wahrhaftig fündig.
Es war ein stark mitgenommenes Shuttle, doch dadurch, dass man dessen Inneneinrichtungen entfernt und an die Seite gelegt hatte, bot sich im Innern ein idealer Platz für die letzte, riskante Phase in der Entwicklung ihres Kindes.

Se'oph, welcher als Erbauer tätig war, begann sofort damit, ihre notdürftige Unterkunft bequemer einzurichten. Geschickt bastelte er aus einem der Pilotensitze eine kleine Liege, in welcher sie das Kind hineinlegen würden können, damit es sich erholte und vielleicht sogar zu ausreichend Kräften kam, um gegen He'eos zu siegen, so wie man es sich in alten Mythen und Legenden früher erzählt hatte. Kaum aber, dass alles vorbereitet war, rief Ma'rea mental nach ihrem Partner, teilte ihm über Gefühle und Empfindungen mit, dass es soweit war. Sie konnte die Energie des Kindes nicht länger in sich eingeflochten tragen, es war also Zeit sie zu befreien, ihrer eigenen Gestalt zu überlassen.

Voller Verständnis dessen, was sie gerade durchmachte, kam Se'oph rasch auf Ma'rea zu, hielt sie mit jeder Hand an einer der ihrigen und leitete das Ritual ein, ebenso, wie er dies die letzten Tage vermehrt tun hatte müssen. Auch er erkannte, dass es nun nicht weiter aufzuschieben war. Heute, in dieser ruhigen Stunde musste es geschehen.
Beide hofften, dass die übertragene Energie genügend war, damit das neue Leben gegen He'eos ankam. Es war ihnen zwar gesagt worden, das ihr Kind - und sie mit ihm - diejenigen wären, die den Legenden zur Wahrheit verhelfen sollen, doch kehrten in diesen Momenten der Ungewissheit auch die Zweifel wieder, pochten im Hintergrund und rangen um Aufmerksamkeit.
Beide Bewusstsein näherten sich nur noch mehr, um sich gegenseitig darin zu bestärken, dass die Kunde wahr war, um so den Zweifeln Einhalt zu gebieten. Ma'reas Körper begann zu glimmen, nun war beiden klar, Se'oph durfte keine weitere Sekunde mehr zögern, wollte er seine Partnerin und das Kind nicht weiter gefährden. Der Erbauer löste seine Gestalt auf, wurde zu Abertausenden von leuchtenden Funken. Funken von dreierlei Färbung, von einerlei Prägung.
Sie umgaben Ma'rea nun vollständig und von allen Seiten, hielten sie, trugen sie, während sie sich mehr und mehr dem Geschehen hingab, zuließ, dass einzig er die Kontrolle noch innehatte. Ihr Vertrauen in ihn war mit jeder früheren Begegnung dieser Art nur noch tiefer geworden, etwas, dass unabdinglich war, wollten zwei Partner sich nicht irgendwie gegenseitig behindern. Langsam begann Ma'rea auch ihre feste Form zu verlieren und Se'ophs Wesen fing alle ihre Funken auf, hielt sie zwischen den Seinen fest, bis in der Mitte nur noch eines übrig war. Die Energie, welche sie in der letzten Zeit gemeinsam erschaffen hatten.
Voller Sorge und Freude umkreisten die blau, weiß und violett strahlenden Punkte das Zentrum, in welchem sich allmählich eine Form abzeichnete. Geschützt durch den von den Taelons gebildeten Mantel erwuchs im Innern aus einem tiefblauen Kern ein neues Wesen.
Zu Beginn war es eingerollt, fing dann aber, wie die anderen beiden Färbungen dazukamen, an sich zu strecken, sich auf mentaler Ebene umherzutasten auf der Suche nach lebendigem, nach Zuflucht. Helle Aufregung herrschte als die Funken der beiden Partner näher kamen und das Frische begrüßten, unter sich aufnahmen und ebenso trugen, wie Se'oph zuvor Ma'rea gehalten hatte. Ein Klang erfüllte nun den Raum, griff von dort über auf ein ganzes Volk. Es war der Ruflaut des Kindes. Helle Wogen breiteten sich zu allen Richtungen hin aus und kehrten zurück. Doch ebenso schnell wie sich die Freude in alle Ecken hin ausgebreitet hatte, kehrten auch schon die Sorgen, die Klagen, das Leid in das Volk zurück. Man gab dem Kind wenig Chancen, He'eos würde auch es befallen, früher oder später. Wobei man allgemein der Meinung war, dass das neue Leben bereits jeden Moment wieder aus ihren Reihen gewichen sein dürfte.
Darauf aber achteten weder Ma'rea noch Se'oph. Die Beiden blieben weiter in ihrer Freude über das Gelingen und fuhren konzentriert mit ihrer Tätigkeit fort. So half Se'oph seiner Partnerin, dass sie ihre Gestalt wieder annahm und das Kind in ihre Arme würde nehmen können, ehe auch er zurück in eine stabile Form kehrte, um Ma'rea gleich weiterhin eine enge Verbindung zu dem kleinen Wesen zu erhalten.

Bald aber fühlten Ma'rea und Se'oph, welche beide gleichermaßen erschöpft waren, dass sie nicht allein waren. Gewiss, wirklich alleine waren sie auch unter ihrem Volk nie gewesen und wie sie vernommen hatten, war auch ihr Volk niemals alleine gewesen, doch dies hier war anders. Es war wie damals, als die Kunde zu ein jedem von ihnen kam. Um sie herum war Friede, war Freude. Um sie herum war jenes Vertrauen, welches auch schon von den Kundschaftern ausgestrahlt wurde. Und nun wussten sie: Sie waren wahrhaftig niemals alleine gewesen. So luden sie die Wesen, welche sich in ihrer Nähe aufhielten, ansonsten aber zurückgehalten hatten, ein doch näher zu treten und das Kind gleichwohl willkommen zu heißen.
Sie betteten es behutsam auf seine Liege und ließen sich selbst zu deren Seiten nieder, das Kind mit einer Hand stets leicht berührend. Kaum aber, dass sie so da saßen, traten die Gestalten in Erscheinung, heller strahlend als je zuvor, als sie nun auch das Kind erblicken durften, zu ihm kommen konnten und es berühren durften und so willkommen hießen. Die hell leuchtende Gruppe konnte nicht anders, als gemeinsam ihre Stimme zu erheben und auch so auf eine weitere Art ihre Freude ob des Gelingens bekundeten.
Es war ein bezaubernder Chor, der klang, als ob es die Stimme eines einzelnen und dann wieder die Stimmen des gesamten Universums waren. Und mit den fremd klingenden Silben verabschiedete sich auch allmählich wieder das Silberne und Weiße aus dem kleinen Raum, welchen das Shuttle ihnen bot.
An ihrer Stelle aber kamen bald welche aus ihrem eigenen Volk. Es waren welche, die ihnen gleich irgendwo im Mutterschiff eine vorläufige Unterkunft fanden, sie berichteten davon, dass in den Gängen Wesen aufgetaucht seien, die von soviel Freude und Vertrauen erfüllt waren, dass sie einfach hierher kommen mussten, um zu sehen, was denn an diesem Kind so besonders wäre. Doch nun, als sie es mit eigenen Augen sahen, erkannten sie alle, dieses Kind war anders als alle anderen, die in den letzten Jahrhunderten entstanden waren. Dieses Kind besaß ein Leuchten, wie es keines mehr besessen hatte. Doch bald schon gingen sie wieder, wollten den beiden Taelons, welche dies geschafft hatten nun Zeit zur Erholung geben.

Tage darauf kam die Zeit, in welcher das Kind endgültig seinen Namen erhalten solle und damit dann auch dauerhaft in die große Gemeinschaft des Volkes aufgenommen würde. Es wurde beschlossen, dafür die Illusion ihres Ursprungsplaneten als Umgebung zu wählen, da es nach Meinung Ma'reas und Se'ophs mehr als nur passend war, dass dort wo alles seinen Anfang hatte, es auch sein Ende finden sollte. Wenigstens noch symbolisch, anders war dies zu ihrer Zeit nicht mehr möglich, sie waren ein Volk, das keine Heimat mehr kannte, schon lange nicht. Dies war schon so, noch bevor He'eos die Macht über sie ausübte, all ihr Tun regelrecht kontrollierte. Nun aber dachten die Beiden in keinster Weise an all das Betrübende, was hinter ihnen lag. Sie waren erfüllt von der Hoffnung, die ihr Kind mit sich in ihre Welt brachte. So legten sie es zwischen sich auf den Boden und traten einen Schritt zurück, als einer der Führenden sich auf das kleine Wesen zu bewegte, um es aufzunehmen in die Gemeinschaft aller. Still und mit Spannung verfolgten sie das Geschehen. Zuerst hob er es hoch, betrachtete es von allen Seiten, ehe er den kleinen Körper auf die holografische Version eines Steines legte und seine Hände gen Himmel hin zu den drei dort stehenden Monden hob. Dann rief er in der alten Sprache die einleitenden Worte ehe sich seine linke Hand an die linke Seite des Kindes und die rechte kurz darauf an die rechte Seite des Kindes legte und er dann die mentale Verbindung zu dessen jungen Geist aufbaute. Es folgte ein langer vokalischer Gesang, den nur der Führende hielt und an dessen Ende der Name des Kindes folgen würde. Zwar hatten die Partner und Erzeuger des Kindes diesen schon vorgebracht, doch war es so, dass es allein dem Eingliedernden oblag, ob dieser auch akzeptiert werden würde oder nicht. Dann endlich verklangen die letzten Silben, eine angespannte Stille folgte, in welcher das Kind mit mehr und mehr Wesen des Volkes in Berührung kam, bevor die Bestätigung des Namens erfolgte.

„Lu'men'ka'mar el ta'Jahem'nega'i - Je'son!”, rief der Führende laut über die Weite des Planeten und ins Volk hinein, damit es alle wussten. Anschließend hob er das neue Mitglied mit seinen Händen hoch und hielt es in alle Richtungen, trat dann damit zu den weiteren Führenden und reichte es einem jedem von ihnen. Für das junge Wesen war dies verwirrend, fast zu viel, da es zwar die Worte und deren Bedeutungen verstand, doch nichts über den Sinn des ganzen Rituales wusste, doch kam keine Angst in ihm auf, da es von allen im Volk gehalten wurde und überall Willkommen geheißen wurde.
Doch bald schon aber keimte Neid auf, Neid anderer Partner deren Kinder nicht stark genug waren, um einige Tage oder länger gegen He'eos anzukommen. Der Neid aber erreichte keine derer, welche sich über das Gelingen Je'sons freuten.

Weit in der Ferne des Alls vernahmen drei weise Wesen einen Ruf. Einen Ruf, der von den Sternen selbst zu kommen schien. So zogen sie denn los, um zu sehen, was derart helles Leuchten verursachte. Es war dies ein Leuchten, welches auf geistiger Ebene als Freude, als Hoffen zu hören war, welches als helles Licht, einem Stern gleich, nicht mit Augen zu sehen war, welches als innerer Frieden zu spüren war.
Ihre Reise war lange und beschwerlich, denn die Mittel, mit denen sie den Weg bestritten, waren alt und einfach gebaut. Doch wollten sie wissen, was diesen mächtigen Frieden in diesen Teil des Raumes brachte. Sie wussten einzig, dass ein mächtiges Wesen geboren sein musste.
Unablässig und ohne jedwede Ablenkung strebten sie eben jenem Ort entgegen, von dem dies besondere Leuchten ausging. Schließlich stießen sie auf ein großes Schiff, welches in seinem Innern ein Volk barg, dass bis vor kurzem nur Not und Verzweiflung kannte, nun aber überstrahlte dieses eine Wesen all dies, war das Leid nur noch nahe dem Schiffe selbst wahrnehmbar.
Als sie Genehmigung erhielten das Schiff zu betreten, fühlten sie, welche Last auf dem Volk lag. Etwas das schlimmer als jede Krankheit war, plagte jeden einzelnen auf dem Schiff Lebenden. Als sie fragten, wie dies denn genannt werde, bekamen sie einzig eine bedrückt klingende Antwort: „He'eos.”. Allein diese zwei Silben verrieten, welche Angst, welcher Schmerz dahinter steckte, welche Kontrolle auf das Leben He'eos ausübte, ohne über ein Bewusstsein, ein Leben zu verfügen.
Zu Beginn suchten sie die Führenden des Volkes auf, da sie dort am ehesten ein Kind von solcher Kraft vermuteten, dass es He'eos Einhalt gebieten konnte. Doch unter den Führenden wurden sie nicht fündig. Diese waren zwar weise und stark, doch längst zu alt und von He'eos selbst zu fest umfangen, als dass sie noch lebende Nachkommen schaffen konnten.
So zogen die drei weisen Reisenden weiter, zogen durch die Gänge des Schiffes auf der Suche nach jenem Bewusstsein, dass sie wie magisch angezogen hatte. Doch auch hier in den Gängen fanden sie nicht, wonach sie suchten. Fast schon wollten sie erneut zu den Führenden zurückkehren, um deren Hilfe bei der Suche zu erbitten, als einer von ihnen das Strahlen abseits der meisten Gänge entdeckte. Dort in einem kleinen Schiff der gleichen Bauweise wie auch das Mutterschiff selbst, saßen zwei weitere Taelons und in ihrer Mitte auf einer Liege ruhte ein kleines, ihnen gleichendes Wesen. Sofort erkannten die drei Fremden, dass dies das gesuchte Kind war, welches über eine Energie verfügte, die ihm ein langes Leben sicherte.
Sie traten nahe an es heran und sprachen es ein jeder in seiner eigenen Sprache an. Erzählten ihm, dass sie wussten, was seine Aufgabe war und dass ihm hierzu überall Hilfe geboten würde, dass sie einen Teil der Lösung mitgebracht hätten und ihm diese hier lassen würden.
Ma'rea und Se'oph saßen nur ohne zu verstehen dabei, doch Je'son, ihr Kind erhob sich bei den Worten der drei Fremden und lächelte sie wissend an. Sein Körper zeigte seine Dankbarkeit als ihm die dargebotenen Geschenke vorgelegt wurden. Es waren dies einerseits symbolische Gaben, andererseits Gaben, deren Sinn nur er eines Tages in der Lage sein würde zu entschlüsseln. Dies war das einzige, was er darüber wusste.
Die drei Reisenden sahen in dem Blick des Kindes wiederum nur die Bestätigung dessen, was sie bereits vermutet hatten. Es war für dies Volk nun wahrlich das Ende der finsteren Stunden angebrochen. Doch wie sie die drei Taelons verließen und deren Volk davon verkünden wollten, trat eine Stimme in ihr Bewusstsein, die sie Halten ließ, um zu horchen. Schritte folgten und kurz darauf brach quasi aus dem Nichts hervor eine weiße, anfangs schimmernde dann nur noch lebendig leuchtende Gestalt hervor, die sie bei ihren Namen ansprach: „Casparus, Mechor und Balth'sar, lasst ab von eurem Vorhaben, dieses Volk wird es mit eigenen Augen erkennen müssen. Eure Worte würden unter vielen von ihnen nur Hass und Verzweiflung schüren. Bitte verstehet dies. Wisset, für das Wohl dieses und aller Völker ist gesorgt. Ihre Mythen und eure Mythen belegen dies. Kehret um und geht auf direktem Wege zu euren Schiffen, verkündet allen leidgeplagten Völkern dieser Planeten, dass bald auch für sie kein Leid mehr sein muss, das eine Volk hat seine Lösung in Händen.”.
Ehe sie auch nur eine Erwiderung in Gedanken fassen konnten, war die Gestalt auch schon ihren Augen entschwunden. Zurück blieb einzig das undefinierbare Wissen, das deren Worte die Wahrheit waren. So folgten sie denn auch diesen und kehrten zu ihren Planeten zurück, dabei einem jeden Reisenden und jedem Planeten, dessen Wege sie kreuzten verkündend, dass bald schon die Herrschaft der Taelons eine andere sein werde, denn diese würden nicht länger von He'eos beherrscht.

 
* * *
 

Fernab aber ereignete sich zur selben Zeit eine ähnliche Geschichte.
Auf einem Planeten kam gleich Je'son ein Kind zur Welt, welches die Macht hatte, das Schicksal seines Volkes zu verändern. Doch gleich diesem würde es dies nie alleine vollenden können. Denn ein jedes der Kinder war seit Urzeiten versprochen gewesen. Versprochen war auch der Friede. Der Friede zwischen Brüdern. Nicht allein der Friede zwischen Brüdern des eigenen Volkes war damit gemeint gewesen, nein, der Frieden zwischen den verfeindeten Völkern. Dies war, woraus die Kraft für beide würde fließen können. Gemeinsam würden sie eine weitere neue, diesmal jedoch nicht auf Konkurrenz basierende Ära einläuten. Es bedeutete nicht, dass sie zu ihrem Ursprunge kehren sollten, vielmehr sollte die Schwäche des einen, die Stärke des anderen werden und umgekehrt und somit würde He'eos Macht auf alle Zeit gebannt.

Die Botschaft an Jaridian und Taelon war dieselbe, wie hätte sie auch anders lauten mögen. Gleichwohl bedingt es nicht, dass sie wiederholt würde. Jedes Volk trägt in seinen Wurzeln, welche in den Legenden, Geschichten und Mythen getragen werden, denselben Kern. Verbreitet durch die ersten, welche gewesen waren und von denen nichts weiter geblieben ist, als das Bewusstsein und das Wissen um den Beginn.

 
* * *
 

Die Jahre vergingen und wundersame Geschichten geschahen. Doch es kam der Tag, an welchem das Höchste endlich nahe war. Je'son wusste darum, seit seiner Entstehung. Es würde nicht leicht werden, doch war es der Weg, auf welchem er sein Volk befreite, für immer von He'eos Fesseln löste. Ihnen zeigte, wie ein jeder von ihnen dies selbst tun konnte, so er sich dafür entschied.

Er nahm ein altes Shuttle, welches über kaum mehr Flugfähigkeit verfügte, und machte sich darin auf hin zur feindlichen Grenze. In dem Moment, wo das kleine Gefährt die sichere Umgebung des Mutterschiffes verließ, war klar, dass Je'son nicht umkehren würde, er wollte mit den Geschenken der drei Weisen seine Aufgabe erfüllen, um so seinem Volk seinen Dienst zu erweisen.
Tagelang bereitete er sich in Meditationen innerlich auf die Begegnung vor, während sich der kleine Rumpf des reparaturbedürftigen Gefährtes weiter und weiter durch den Raum auf sein Ziel zu bewegte. Je näher er kam, desto mehr fürchtete Je'son, dass er seiner Aufgabe nicht gerecht werden könnte, immer länger und immer intensiver versuchte er in der Meditation nun doch endlich zu erreichen, dass er zu einer inneren Ausgewogenheit und Ruhe fand, um im Moment der Entscheidung das richtige zu tun. Seine Angespanntheit stieg mit jeder Sekunde, bis er darunter zerbrach und auf den Boden sank. Gab es den nichts, dass es ihm leichter machen würde? Gab es den nichts, dass all die Last auf seinen Schultern verringern würde?

Genau dieser Moment aber war derjenige, welcher erforderlich war, derjenige, welchen er eigentlich sogar angestrebt hatte. Klagend und in Trauer saß er nun da, blickte hinaus auf die Sterne, wissend um jeden einzelnen Planeten, auf welchen sie ihr Licht entsandten, um darauf Leben zu ermöglichen.
Klagend und ihn Trauer ließ er sich weiter in die Tiefe hinfort tragen von seinem reparaturbedürftigen, unbewaffneten Shuttle.

Dann kam er an.

Vor ihm nichts als eine weite Leere. Es war finster. Zu seinen Füßen lag bloßer Staub. Kein Leben war hier, nichts. Nichts nebst ihm und seinem Shuttle - und einem andern, irgendwo am Horizont hinter einem dieser Hügel, hinter einem dieser Kämme, in einem dieser Krater. Einem Krater, ähnlich dem, in welchem er selbst gelandet war. Je'son ging los. Nicht im Gedanken zurückzukehren, nicht im Gedanken erfolgreich zu sein. Sondern leer, völlig leer. Keinerlei Empfindung war in seinem Innern, einzig eine Idee trieb ihn noch an. Er musste jemandem von seinem Versagen berichten. Doch hier gab es nur einen. Den Feind. Egal. Hauptsache er konnte es irgendjemanden sagen. Die Dunkelheit änderte sich nicht, hier, unter der geringen Atmosphäre änderte sich alles nur langsam, denn die Drehung dieses Planetoiden wurde durch die ihn begleitenden Himmelskörper extrem verlangsamt. Da, ein Kopf, eine Bewegung, auch der andere kam. Auch er hatte ihn gesehen. Sie beide hatten sich gesehen. Und beide lebten noch. Doch änderte keiner seinen Schritt, beide gingen gemächlich auf die imaginäre Mitte zwischen ihrer beiden Positionen zu, um sich dort zu treffen.

Stille.
Stille.

Sie hoben beide zugleich ihre Köpfe, blickten sich in die Augen. Da war KEIN Hass, da war keine Beleidigung, da war kein Blut- oder Rachedurst. Da war aber auch nicht Nichts.
Was dann?
Trauer, Schmerz, der Wunsch um Vergebung.
„Der Tag also ist gekommen - Bruder”, sprach einer von ihnen. Keiner mehr wusste, ob es er selbst war, oder ob er es sich gedacht hatte, als es der Andere aussprach.
Nicht das Gegenüber, nein, der Andere. Der Andere, der doch das Gleiche durchgemacht hatte, unter demselben litt, doch zeigte es sich unterschiedlich.
Und da war sie wieder die Stille.
Nun aber nicht mehr bedrückend. [Je'son] lächelte [Tschousen] nur an und dieser tat dasselbe.

Beide hatten verstanden.
„Nun denn.” - „Nun denn.”
Dies waren ihre letzten Worte im alten Zustand.


Kurzes Nicken, beide schlossen die Augen, ein jeder entkleidete sich von Gegenständen, die nicht zu seinem Selbst gehörten, dann wie alles ruhig war, traten sie leise knirschend im Staub aufeinander zu, tastend. Beide suchten mit vorsichtig ausgestreckten Armen den jeweils andern um ihn zu berühren, zu fühlen - zu umarmen.
Die kalte Energie streifte eine glatte, fast schon glühende Haut, fühlte, wusste, sie war stabil. Nicht wie die anderer. Eine kalte Energie strich über die warmen glatten und doch unebenen Arme eines Bruders. Je'son löste sich aus seiner festen Gestalt, hielt Josen in der Art seines Volkes, während dieser gleiches tat. Und was warm war wurde ruhig, was kalt war wurde ruhig, ausgeglichen.

Plötzlich war alles anders. Um sie war nicht Dunkelheit, um sie war Licht. Wo zuvor nur Schatten waren, waren nun die Quellen eines reinen weißen und silbernen Lichtes.
Tausendfacher Friede streifte sie. Tausendfache Freude.

Zwei hatten begonnen und zwei hatten beendet.
Den Krieg - die Finsternis.

Einen Moment später war um sie wieder der Boden, die Atmosphäre des Planetoiden. Doch nun blickten sie mit anderen Augen auf all dies. Blickten mit anderen Augen auf jenen, der da mit ihnen diese einsame Insel inmitten der Sterne aufgesucht hatte, der da mit ihnen all dies geplant hatte, der da mit ihnen allein diese Aufgabe zu erfüllen hatte, der da er war.

 
* * *
 

Zurück bei ihren Völkern erfuhren alle von dem, was da geschehen war. Dass etwas passiert sein musste, hatte bereits ein jeder gefühlt vor ihrer Ankunft unter den ihren, denn etwas war anders. Anders, wie sie alle es nicht mehr kannten. Wie auch? Keiner hatte die Zeit vor dieser jemals erlebt, nur Geschichten der Alten zeugten noch davon, wie das Leben vor He'eos war.
Je'son und Josen berichteten beide davon, was von nun an die Gabe eines jeden von ihnen war. Jeder von ihnen würde sich nun dem stellen, den sie als Feind bezeichneten, dem sie aber doch noch nie ins Auge geblickt hatten, noch nie erkannt hatten, dass auch in diesem Leid und Trauer war.
Wie ein Licht war ein jeder von ihnen nun in der Masse des eigenen Volkes zu erkennen, so stark war ihre Ausstrahlung, so stark ihre Lebenskraft, so stark ihr Wille dies allen zu vermitteln. Und doch bedrängten sie keinen mit ihrer Botschaft, welche sie auf vielfache Weise frei kundtaten.
Sie zeigten den einfachen Leuten, wer er denn war, ihr Feind. Wie er lebte, was ihn sorgte, bedrängte. Doch taten sie dies nicht auf direkte Weise, nein, sie sprachen von einem Volk, dass litt, das dem Tode nahe war, und wenn jeder vermutete, es war die Rede von ihnen selbst, führten sie - unabhängig vom andern - die Zuhörer auf das gemeine Volk. Nun sah man den Feind aus einem anderen, neuen Winkel. Man wollte sich ihm einmal gegenübersehen, um zu erkennen, ob es wahr wäre, ob daraus wirklich die Kraft und Macht des Sprechers kam. Es war schwer, gab auch Missverständnisse, doch kamen anfangs nur wenige zueinander, sahen sich letztendlich auch in die Augen, und sahen, was zuvor schon Je'son und Josen entdeckt hatten. Ohne weitere Führung berührten sie einander, tasteten über die Haut dessen, von dem sie nur schlechtes und böses gehört hatten, nichts anderes kennen konnten, nichts anderes kennen durften. Freunde nannten sie sich, Schwester und Bruder nannten sie sich. Und sie alle kamen gestärkt zurück. Immer noch waren sie die Gleichen wie zuvor mit einem Unterschied. Sie hatte einen Feind, einen Kampf verloren und den Sieg geteilt.

 

ENDE


Kleine Randbemerkung: Wenn euch einmal die Langweile überkommt, es wäre theoretisch möglich, das gesamte Neue Testament mit kleineren Anpassungen/Modifikationen als die/eine Geschichte der Taelons zu schreiben, was nicht weiter verwunderlich ist, da es immerhin möglich ist, dass auch dies, was unbewusst einen Einfluss auf unser Denken hat (Vergleiche ziehen etc.), in den Ideen der Serie eingegangen ist, wie soviel weiteres. Ich finde/glaube, es ist ein reicher Cocktail dessen, was die Menschheit ausmacht dort wiederzuentdecken. Eben so, wie Gene es wohl im Sinne hatte, als Spiegel sämtlicher Eigenschaften der Menschheit.

 

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