Startseite Aktuelles Update Geschichten Kategorien Bilder Forum - Der Baum Links Hilfe Kontakt
  „Grundenergie” von Taoynin   (Emailadresse siehe Autorenseite),   Mai 2017
Mission Erde/Earth: Final Conflict gehören Tribune Entertainment Co., Lost Script Prod. Inc., Atlantis Films und VOX. Bitte veröffentlichen Sie diese Geschichte nicht ohne vorheriges Einverständnis der Autorin.
 
Thema:  Ein Wissenschaftler behauptet, Grundenergie herstellen zu können. Sagt er die Wahrheit oder versteckt sich dahinter ein ganz anderer perfider Plan?
Personen: Liam, Da'an, Sandoval, Zo'or, Augur, Dr. Facies, Zo'el
 
Anmerkung:  Diese Geschichte wurde als Teil des Adventskalenders 2016 geschrieben.
 

 

GRUNDENERGIE

 

Liam betrat gut gelaunt die Taelon-Botschaft in Washington, um sich dort mit Da'an zu treffen. Es standen keine auswärtigen Termine an, deshalb wollten sie die nächsten Tage und Wochen durchsprechen und planen. Draußen herrschte das herrlichste Wetter und die Chance, es auszunutzen, stand nicht schlecht. Der junge Mann plante für den Nachmittag einen Ausflug ins Grüne, gemeinsam mit einer netten jungen Frau, die er vor einiger Zeit beim Companion-Sicherheitsdienst kennengelernt hatte. Als Beschützer verfügte er nicht über den Luxus einer geregelten Arbeitszeit. Er musste ständig abrufbar sein und zur Verfügung stehen. Nur wenn ihm Da'an frei gab oder wenn der Außerirdische private Termine wahrnahm, für die er keinen Schutz benötigte, konnte er eigenen Interessen nachgehen. Jetzt hoffte er natürlich, dass ihm nichts dazwischen kam.
Doch die Botschaft war leer, vielmehr der Bereich, in dem sich Da'an überwiegend aufhielt. Der Energiestuhl, in dem der Taelon sowohl seinem Tagesgeschäft nachging, als auch ruhte, stand verwaist auf dem Podest. „Da'an?”, rief Liam versuchsweise. Manchmal hielt sich der Außerirdische in seinem Wohnquartier auf. Als er keine Antwort erhielt, trat er auf das thronartige Gebilde zu. Er aktivierte den Datenstrom und nahm Kontakt zum Mutterschiff auf.
„Mr. Kincaid, was können wir für Sie tun?”, fragte eine sanfte, unpersönliche Stimme.
„Ich bin mit Da'an verabredet, er befindet sich jedoch nicht in der Botschaft. Wurde er vielleicht auf das Mutterschiff beordert oder gibt es einen Termin, den er wahrnimmt und über den ich nicht informiert bin?”
„Nein, nichts dergleichen. Befürchten Sie, es könne ihm etwas zugestoßen sein? Soll ich den Alarm auslösen?” Die Stimme klang so gleichgültig, als spräche sie gerade über das Wetter.
„Nein, ich will nicht gleich die Kavallerie alarmieren, nur weil Da'an ungestört sein will.”
Der Taelon auf der anderen Seite des Datenstroms verstand kein Wort. „Wie Sie meinen”, sagte er desinteressiert und beendete die Verbindung.
Liam setzte seine Suche fort. Er studierte Da'ans Terminkalender, aber dort war nur ihr beider Treffen notiert. Dann sprach er mit dem Sicherheitspersonal der Botschaft und ließ auch im Garten nachsehen, da sich der Taelon dort immer sehr gerne aufhielt. Schließlich sah er sich das Überwachungsprotokoll an, das jede Aktivität innerhalb des Gebäudes genau aufzeichnete, aber auch das konnte ihm keinen Hinweis auf den Verbleib seines Companions geben. Das war zwar noch immer kein Indiz dafür, dass der Taelon in Schwierigkeiten steckte, aber Liam begann, sich Sorgen zu machen. Erneut nahm er Kontakt zum Mutterschiff auf, diesmal jedoch direkt mit Zo'or.
„Wissen Sie, wo sich Da'an befindet? Ich war mit ihm in der Botschaft verabredet. Nur leider scheint er irgendwie vom Erdboden verschluckt.”
„Major, ich bin nicht der Hüter aller Taelons”, erwiderte Zo'or auf die für ihn typische arrogante Art. „Wer weiß, wo er sich herumtreibt. Wenn er Ihnen nicht gesagt hat, wohin er geht, dann wird das auch seinen Grund haben.”
„Nun, er könnte aber auch in Gefahr sein, Zo'or.”
„Dann sollten Sie sich beeilen, ihn zu finden. Das ist schließlich Ihre Aufgabe.”
Nachdem der Anführer aller Taelons die Verbindung abrupt beendet hatte, wandte er sich an seinen Vasallen Sandoval, der geduldig an seiner Seite verharrte. „Wenn Da'an so plötzlich verschwindet, dann meist nur, um etwas vor mir zu verheimlichen. Finden Sie ihn - und das am besten vor Kincaid.”

„Major, haben Sie Da'an inzwischen gefunden?” Sandoval klang ungehalten, doch das war nichts Neues für Liam. Der Agent war meist ungeduldig, wenn er nicht gerade verärgert war. Die Momente, in denen er entspannt war oder gar lächelte, waren so selten, dass man sie an einer Hand abzählen konnte.
„Sie enttäuschen mich, Sandoval”, konnte sich Liam nicht verkneifen, ihn aufzuziehen, „ich habe jetzt eigentlich damit gerechnet, dass Sie mir Da'ans Fundort unter die Nase reiben würden.”
Tatsächlich geriet Zo'ors Attaché für einen Augenblick aus dem Konzept und er starrte Kincaid irritiert an. „Mir war nicht bewusst, dass ich neuerdings Ihre Arbeit verrichten muss”, erwiderte er säuerlich.
„Kommen Sie, wir beiden wissen doch, dass Zo'or Sie aufgefordert hat, ebenfalls nach Da'an zu suchen.”
„An Ihrer Stelle würde mir das zu denken geben, Major.”
Liam zuckte unbekümmert die Schultern. „Es interessiert mich ehrlich gesagt herzlich wenig, was Zo'or über mich denkt. Aber was mit Da'an ist, das interessiert mich umso mehr. - Sie waren sein erster Beschützer. Ich weiß, er ist Ihnen wichtig ...”
„Mir sind alle Taelons wichtig, Major”, unterbrach ihn Sandoval stirnrunzelnd.
„Haben Sie eine Ahnung, wo er sich aufhalten könnte?”
Der Agent schüttelte den Kopf. „Überprüfen wir sein persönliches Portal.”
„Das habe ich schon”, wandte Liam ein. „Es werden keine Aktivitäten aufgeführt.”
„Ich meine, das mobile Portal, das er in seinem Quartier aufgestellt hat.”
„Ein mobiles?”, wiederholte Kincaid überrascht. „Woher ...?”
Statt einer Antwort eilte der FBI-Agent über den langgezogenen Aufgang in den Korridor, der zu Da'ans Privaträumen führte. Liam folgte ihm.
Da'ans Reich bot eine Mischung aus wissenschaftlichem Equipment und irdischer Kunst. Aus den Wänden wuchsen Regale, auf denen sich antike Bücher und kleine Skulpturen befanden. Sandoval hatte keinen Blick dafür. Er trat an die Kontrollstation und rief diverse Protokolle auf. „Er hat das Portal benutzt”, verkündete er nach einer Weile.
„Welcher Zielort?”
„Ein Standard-Portal in Vancouver. - Major, ich schlage vor, dass sie diese Spur verfolgen. Ich werde zum Mutterschiff zurückkehren und weitere Daten auswerten.”
„Aus welchem Grund?”, fragte Kincaid sofort. Sandoval hatte erstaunlich lange mit der Station agiert und dabei auch Daten auf sein Global transferiert. Er musste etwas gefunden haben, wollte es aber offensichtlich nicht teilen.
Sandoval bedachte ihn mit einem gelangweilten Blick. „Weil es unsere Chancen erhöht, Da'an zu finden”, erwiderte er ausweichend.
Liam war überzeugt, dass er ihm etwas verheimlichte. Leider blieb ihm selbst nichts anderes übrig, nach Vancouver zu reisen, obwohl er bereits ahnte, dass es ihn in eine Sackgasse führen würde.
Auf dem Mutterschiff angekommen, suchte Sandoval sofort seinen Herrn auf, um ihm Bericht zu erstatten. „Ich habe in den Aufzeichnungen eine geschützte Datei gefunden, die Sie interessieren dürfte...”
„Übertragen Sie sie”, befahl Zo'or sofort und öffnete den Datenstrom. Wenig später erschienen Taelonzeichen in der energetischen Partikelwolke. Die Augen des Taelons weiteten sich. „Das ist ein wissenschaftlicher Text über die Erzeugung von Grundenergie”, sagte er überrascht. „Irgendjemand hat sich damit befasst und scheint Erfolg gehabt zu haben.” Der Außerirdische wurde plötzlich sehr hektisch. Er sprang von seinem Stuhl und eilte zur nächsten Konsole. „Wir müssen unbedingt den Ursprungsort der Übertragung herausfinden. Das hat oberste Priorität.”

In Vancouver angekommen, nutzte Kincaid das Transferprotokoll, um Da'an zu verfolgen. Es führte ihn zu den verschiedensten Städten auf der Welt, ohne dass es ihn dem vermissten Taelon auch nur einen Deut näher brachte. Schließlich gab er auf. Er hatte das Gefühl, als würde automatisch bei jeder Benutzung eines Portals ein Protokoll ausgeführt werden, das ihm einen neuen Zielort vorgaukelte. Er konnte nur hoffen, dass Sandoval mit seinen Daten erfolgreicher war.
In der Zwischenzeit flog er zurück zur Botschaft. Er hatte das Gebäude kaum betreten, als er eine Nachricht vom Mutterschiff erhielt. Ein ihm fremder Taelon erschien auf seinem Display und sah ihn aufmerksam an. „Mein Name ist Zo'el”, stellte er sich vor. „Ich wurde von Da'an beauftragt, Sie zu kontaktieren, wenn ich zu einem vereinbarten Zeitraum keine Rückmeldung von ihm erhalten habe.”
Das klang beunruhigend. „Können Sie mir sagen, wo ich ihn finden kann?”, fragte Liam sofort. „Denken Sie, dass er in Gefahr ist?”
Zo'el wirkte irritiert. „Dazu kann ich Ihnen nichts sagen. Ich weiß es nicht. Ich habe keine weiteren Informationen für Sie. Meine Aufgabe ist es lediglich, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen.”
„Und er hat Ihnen nicht aufgetragen, mir irgendetwas zu sagen?”
„Nein.”
„Auch nicht: 'Hilfe, in bin in Gefahr! Retten Sie mich!', oder so ähnlich.”
„Nein.”
„Keinen Ort? Keine Datei? Hat er Ihnen vielleicht einen Namen genannt, eine Person, mit der ich Kontakt aufnehmen soll?”
„Nein.”
Liam raufte sich innerlich die Haare. Das war typisch Da'an. Er steckte in Schwierigkeiten und vergaß dabei völlig, ihm einen Hinweis zu geben. „Eine sonderliche Hilfe sind Sie nicht gerade, Zo'el”, sagte er.
„Oh, das bedauere ich sehr”, erwiderte der Taelon und wirkte tatsächlich ein wenig bekümmert.
Liam musste wieder von vorne beginnen. Er informierte Sandoval sofort über die seltsame Nachricht. „Vielleicht kann Zo'or mehr aus ihm herausbringen”, sagte er.
„Das wird nicht notwendig sein”, teilte ihm Zo'ors Vasall mit. „Wir haben eine Spur, die wir bereits verfolgen. Ich informiere Sie, wenn es erforderlich ist.”
„Warten Sie, Sandoval!”, rief er, doch der hatte die Verbindung schon unterbrochen. Liam überlegte kurz und wählte dann eine andere Nummer. „Augur, mein alter Freund! Ich brauche deine Hilfe.”

Augur bewegte sich tänzelnd vor einem seiner vielen Computer, während seine Finger über die Tastatur flogen. Im Hintergrund lief brasilianische Chillout-Musik. Liam lief ungeduldig hin und her. Als der Dunkelhäutige auch noch anfing, das Lied mitzupfeifen, platzte ihm der Kragen. „Augur!”
„He, wo liegt das Problem, mein Freund?”, sagte der dunkelhäutige Hacker stirnrunzelnd. „Du hast selbst gesagt, es gibt keine Meldung über eine mögliche Entführung. Es hat auch niemand Lösegeld verlangt. Da'an ist im Gemeinwesen spürbar und weilt somit noch unter den Lebenden. Also - entspanne dich.”
„Das kann ich nicht, solange ich nicht weiß, was mit ihm ist. Er verschwindet nicht so einfach. Er...”
„... möchte vielleicht einfach nur mal seine Ruhe haben.” Augur verließ seine Station und schlenderte zu einem kleinen Tisch hinüber, um sich mit neuen Keksen zu bevorraten.
„Da steckt mehr dahinter. Sandoval ist da auf etwas gestoßen. Was immer es auch ist, es scheint wichtig oder wertvoll für die Taelons zu sein.”
Augur stopfte sich einen Keks nach den anderen in den Mund. „Da'an verfolgt gerne Projekte, von denen Zo'or nichts wissen soll, nicht wahr?”, sagte er undeutlich. „Wahrscheinlich hat er jetzt genau so etwas am Start.”
„Dann hätte er mich einweihen können”, wandte Liam ein.
Der Hacker nickte spöttisch. „Natürlich. Das macht er ja ständig.”
Der Companion-Beschützer rieb sich genervt den Nacken, während er angestrengt überlegte. Vielleicht hatte er irgendetwas übersehen. „Gehen wir noch einmal alles durch, Augur”, sagte er. „Da'an benutzt ein mobiles Portal, das nicht darauf ausgelegt ist, viele Daten zu speichern. Er springt wahllos von einem Ort zum anderen, bis eine Verfolgung nicht mehr möglich ist. Somit ist ausgeschlossen, dass Zo'or ihn aufspüren kann. Gleichzeitig bekomme ich aber den Hinweis von diesem Zo'el, dass er von Da'an beauftragt wurde, sich bei mir zu melden. Nur gibt es keine weiteren Informationen. - Ergibt das für dich irgendeinen Sinn?”
Augur wippte vor seiner Station im Takte der Musik. Hatte er ihm überhaupt zugehört? Bevor sich Liam beschweren konnte, sagte der Hacker: „Dieser Zo'el ... kennst du ihn? Weißt du, in welcher Beziehung er zu Da'an steht?”
Liam schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen. Da'an hat ihn auch nie erwähnt.”
„Vermutlich hat ihn Da'an deshalb ausgewählt. Er ist irgendein unwichtiger und unauffälliger Taelon, der im hintersten Winkel des Mutterschiffes brav seinen Dienst verrichtet. - Dann lass uns mal sehen, was dieser Zo'el so den ganzen Tag über treibt.” Augurs Finger flogen über die Tasten.
„Willst du dich in die Datenbank hacken?”, fragte Liam besorgt. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Das bleibt sicher nicht unbemerkt und könnte Zo'or auf Zo'el aufmerksam machen.”
„Keine Sorge”, beruhigte ihn der dunkelhäutige Mann gelassen. „Ich erstelle regelmäßig ein digitales Abbild der Taelon-Datenbank. Für unseren Zweck wird das auf jeden Fall ausreichen.” Es dauerte nicht lange und sie sahen Zo'els Profil auf dem Bildschirm. Viele Informationen gab es nicht zu diesem Außerirdischen.
„Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Analysen, Datenbereitstellung und Organisation.”
„Das erklärt, warum er von Da'an ausgewählt wurde”, sagte Liam, „aber nicht, was der Sinn dahinter ist.”
„Diese Jugend, immer so ungeduldig”, murmelte Augur, während er Unterverzeichnisse öffnete und Daten prüfte. Seine Suche wirkte unwillkürlich, da er in den verschiedenen Verzeichnisstrukturen und Datensätzen herumsprang und die jeweiligen Informationen nur kurz auf dem Bildschirm erschienen. Kincaid wollte gerade einschreiten und die Suche des Hackers beendigen, da er sie für sinnlos hielt, als sein dunkelhäutiger Ersatzvater die Hände triumphierend zusammenschlug. „Zo'el hat vor nicht allzu langer Zeit einen Eintrag über gemietete Räume in Temple Hills gemacht. Die Datei ist quasi ein Platzhalter, so dass sie nicht weiter auffällt, aber sie hat einen Interface-Marker. Leider können wir nicht darauf zugreifen, weil die Datenbank eine Offline-Version ist, aber ich tippe mal darauf, dass diese Daten zusätzlich gesichert sind und sich löschen, sobald jemand darauf zugreift.”
Liam verstand nur die Hälfte davon, aber wichtig war ihm ohnehin nur die Adresse des Gebäudes. Augur transferierte sie ihm auf das Global, dann eilte der junge Beschützer auch schon los.
„Danke, Augur, dass du deine kostbare Zeit geopfert hast, um mir mal wieder aus der Patsche zu helfen!”, rief ihm der Hacker mürrisch hinterher.

Liam fand das angemietete Gebäude ohne Schwierigkeiten. Ein rot geklinkertes Privathaus mit weißen Holzfenstern, einer schmalen Zufahrt zum rückwärtigen Teil des Grundstückes und einer mächtigen Kastanie auf einer ziemlich ausgetrocknet wirkenden Grasfläche direkt vor dem Eingang. Alles wirkte ein wenig vernachlässigt, fiel ansonsten in der Gegend aber nicht weiter auf. Er überprüfte noch einmal vorsichtshalber die Adresse und klopfte dann an der Tür. Ein nicht gerade gesund wirkender Mann mittleren Alters mit graumeliertem Haar und Dreitagebart öffnete ihm. „Ja, was kann ich für Sie tun?”, fragte er.
„Companion Sicherheitsdienst. Mein Name ist Liam Kincaid”, stellte sich Liam vor. „Ich ...”
„... weiß, wer Sie sind”, erwiderte der fremde Mann und zog ihn ins Haus. „Da'an hat mir gesagt, dass Sie kommen werden. - Kommen Sie, ich führe Sie zu ihn.”
Verblüfft ließ sich Liam durch das Haus und hinunter in den Keller führen. Sicherheitshalber zog er seine Waffe. Er wollte nicht blindlings in eine Falle tappen. „Mein Name ist Facies”, stellte sich der Bewohner des Hauses unterwegs vor. „Sie haben vor mir nichts zu befürchten.”
Liam behielt trotzdem seine Waffe im Anschlag. Irgendetwas kam ihm an diesem Mann seltsam vor. Dr. Facies führte ihn in einen großen Raum, der wie ein wissenschaftliches Labor eingerichtet war. Inmitten all der Geräte befand sich Da'an, der gerade eine Taelonstation bediente. „Liam”, sagte er freundlich, „dass Sie mich gefunden haben, bedeutet, dass auch Zo'or über diesen Ort informiert ist. Wir müssen uns beeilen.”
„Ich habe ihm nichts verraten”, sagte Liam verwirrt.
„Ich weiß”, erwiderte der Taelon.
„Erklären Sie mir, was das alles zu bedeuten hat? Wieso verschwinden Sie klammheimlich?”
„Es war notwendig. Zo'or lässt mich seit längerer Zeit überwachen. Ich musste sehr vorsichtig sein, um Dr. Facies zu schützen.” Der Companion bewegte grazil seine Finger, als er auf den Wissenschaftler deutete. „Zo'el hatte von mir die Anweisung, Sie zu kontaktieren, sobald gewisse Zugriffe auf meine Privatdaten erfolgen würden. Ich hoffte, dass Sie meinen Aufenthaltsort vor Sandoval herausfinden würden.”
Liam war schon an viele Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit den Taelons gewöhnt und doch gab es immer wieder neue Überraschungen. „Wenn es Ihre Absicht war, dass ich Sie finden sollte, hätten Sie mir nur eine Nachricht auf das Global sprechen müssen.” Neugierig sah er sich um.
„Das war leider nicht möglich.”
„Das lag an mir”, mischte sich nun der Wissenschaftler ein. „Ich habe ihm ein Angebot gemacht, dem er nicht widerstehen konnte. Allerdings bestand ich auf sehr strikte Sicherungsmaßnahmen.”
„Um was genau geht es hier?”, fragte Liam misstrauisch.
Ein Leuchten lief über Da'ans Gesicht. „Dr. Facies wird das Energieproblem meiner Spezies lösen”, verkündete er hoheitsvoll.
Liam sah ihn verblüfft an. „Ich denke, das ist nicht möglich? Die Menschen verfügen noch nicht über die entsprechende geistige Entwicklung, ein Herstellungsverfahren zu entwickeln. Und die Taelons haben es schlichtweg vergessen.”
Der Taelon nickte bedächtig. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Menschen zwar das Potential in sich bergen, aber es noch sehr lange dauern wird, bevor sie in der Lage sein werden, entsprechende Forschungen zu betreiben.”
„Und Dr. Facies hat das Rätsel schon heute geknackt. Oder wie darf ich das verstehen?”
Der Wissenschaftler sah ihn gelassen an. „Ist es für Sie so undenkbar, dass es jemand geben könnte, der Einstein übertrumpft?”
Liam lachte leise auf. An Selbstbewusstsein schien es dem Mann auf jeden Fall nicht zu mangeln. Dann riss er sich zusammen. „Also, was nun? Sandoval wird sicher jeden Augenblick das Haus stürmen...”
„Zo'or darf die Forschungsdaten nicht in die Hände bekommen”, sagte Da'an besorgt.
„Was haben Sie zu befürchten?”, wollte Liam wissen. „Er wird die Herstellung der Grundenergie wohl kaum boykottieren. Es rettet Ihrer Spezies das Leben.”
„Dann kennen Sie Zo'or nicht”, sagte der Taelon und neigte den Kopf auf die Seite. „Er würde das Geheimnis an sich reißen und für sich nutzen.”
„Sie meinen, er wird es Ihrer eigenen Art vorenthalten? Ehrlich gesagt, kann ich das nicht glauben. Er ist vielleicht größenwahnsinnig, skrupellos und machtgierig, aber er zerstört nicht die Zukunft seiner eigenen Rasse.”
„Vielleicht können Sie das später erörtern”, meldete sich Dr. Facies nervös. „Wenn Sie eine Idee haben, wohin wir verschwinden können, dann sollten Sie damit schnellstens herausrücken.”
Liam dachte kurz nach und erkannte, dass es wenig Sinn machte, wenn sie flüchteten.
„Ich werde Zo'or kontaktieren, damit er weiß, dass es Ihnen gut geht”, sagte er.
In diesem Augenblick stürmten Sandovals Männer den Raum. Der FBI-Agent folgte ihnen sofort. „Da'an!”, rief er besorgt. „Ist alles in Ordnung?” Dann gewahrte er Kincaid und den fremden Wissenschaftler.
„Mir geht es gut, Agent Sandoval”, versicherte Da'an und Liam fügte hinzu: „Wir wollten gerade Zo'or informieren.”
Sandoval nickte bedächtig und ließ seinen Blick durch das Labor schweifen. „Das kann ich dann ja übernehmen.” Er zog sein Global, benutzte es aber nicht. „Zo'or war in großer Sorge, Da'an”, sagte er, während er umherging und die Konsolen betrachteten. „Er kann nicht für Ihre Sicherheit garantieren, wenn Sie sämtliche Protokolle verletzten.”
„Ein Missverständnis”, sagte Liam.
Der FBI-Agent sah ihn arrogant. „Derartige Fehler sollten einem Beschützer nicht unterlaufen, Major. Ich werde Meldung machen müssen.”
„Natürlich.” Liam verzog ironisch den Mund.
Weil es keinen Grund für ihn gab, länger an diesem Ort zu verweilen, wählte Sandoval das Mutterschiff an. „Zo'or, ich habe Da'an gefunden.”
„Gut. Kehren Sie unverzüglich zum Mutterschiff zurück und berichten Sie mir. Und bringen Sie Da'an gleich mit.”
„Sehr wohl, Zo'or”, sagte der Agent gehorsam. Er steckte das Kommunikationsgerät weg und blickte Da'an auffordernd auf.
„Ich werde Ihnen in Kürze aufs Mutterschiff folgen”, sagte der Taelon.
„Wie Sie meinen”, entgegnete Sandoval und gab seinen Männern das Zeichen zum Aufbruch.
Kaum hatten sie das Labor verlassen, wandte sich Da'an an den Wissenschaftler „Dr. Facies, ich halte es für angebracht, diese Lokalität aufzugeben. Major Kincaid, mein Beschützer, wird Sie zur Botschaft bringen. Dort sind Sie in Sicherheit und Sie können Ihre Forschung fortsetzen.”
„Einverstanden. Ich brauche nur ein paar Minuten, um meine Daten zu übertragen.”

Auf der Brücke des Taelon-Mutterschiffes erstattete Sandoval inzwischen Bericht.
„Wieso haben Sie Da'an nicht mitgebracht?”, fragte Zo'or.
„Er sagte, er würde nachkommen”, sagte Sandoval. Weil derartige Antworten den Synodenführer selten zufriedenstellten, fügte er rasch hinzu: „Es ist mir gelungen, einige Daten aufzuzeichnen.” Rasch transferierte er sie auf das Mutterschiff. Zo'or öffnete sofort den Datenstrom und studierte die Informationen.
Nachdenklich bewegte der Taelon seine grazilen Finger. „Ich denke nicht, dass dieser Mensch hält, was er verspricht”, sagte er. „Er ist ein Scharlatan, gewiss. Aber unabhängig davon will ich seine Forschung sehen. Ich will wissen, was sich dahinter verbirgt und ob er eine Gefahr darstellt. Schaffen Sie mir diesen Wissenschaftler aufs Mutterschiff, damit wir ihn verhören können!”, befahl er abschließend.

Liam, Da'an und Dr. Facies befanden sich in einem separaten Bereich der Botschaft und überwachten dort die Ankunft der wissenschaftlichen Geräte, als sich Sandoval bei ihnen meldeten.
„Auf keinen Fall”, sagte Facies, kaum dass er die Anweisung des FBI-Agenten vernommen hatte. „Ich werde nicht auf das Mutterschiff gehen, um anschließend für den Rest meines Lebens Grundenergie zu erzeugen. - Da'an! Wir haben eine Vereinbarung. Sie dürfen das nicht zulassen.” Hilfesuchend wandte er sich an den Companion.
„Keine Sorge”, versprach dieser und öffnete einen Datenstrom. Während er nach einem Ausweg suchte, nutzte Liam die Möglichkeit, dem Wissenschaftler ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Er hatte ein komisches Gefühl bei dem Mann. Er konnte es nicht genau in Worten fassen, was ihn an dem Forscher störte. Er wusste nur, dass da etwas war, zum Greifen nah. „Etwas so Kompliziertes und Einzigartiges wie die Erzeugung einer völlig neuen Energiequelle bringt Ihnen sicher den Nobelpreis ein.”
„So etwas interessiert mich nicht”, sagte Facies. „Hören Sie, Mr. ...”
„Kincaid. Liam Kincaid.”
„Ich habe ein Verfahren entdeckt, Grundenergie herzustellen. Es mag für sie zweifelhaft klingen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich es kann. Ich weiß, dass Sie mir nicht trauen. Das ist ihr gutes Recht. Bitte, Sie können gerne Erkundigungen über mich einholen, wenn Sie das beruhigt.” Er wartete keine Entgegnung ab, sondern widmete sich wieder seiner Konsole.
Liam trat etwas abseits und rief dann Augur an. „Was kannst du mir über einen Wissenschaftler namens Facies sagen?”
„Ich habe keine Zeit für dich, Liam”, sagte der Hacker mürrisch. „Wenn du Informationen willst, benutz das Internet. Dafür wurde es erfunden.”
„Das würde ich ja, aber leider habe ich auch keine Zeit. Augur, bitte, es ist wichtig! Da'an hat Kontakt zu einem Wissenschaftler, der behauptet, Grundenergie herzustellen zu können.”
Augur stieß einen leisen Überraschungspfiff aus. „Okay, du hast mein Interesse geweckt. Deine Informationen sind so gut wie zusammengestellt. Aber das das klar ist, ich möchte die Daten über das Verfahren haben!”
„Meinetwegen.”
Es dauerte tatsächlich nicht lange und Augur präsentierte alle Informationen, die es weltweit über den Wissenschaftler zu sammeln gab. Nur leider brachte das Liam nicht weiter. Facies war ein eher unauffälliger Physiker, der sich hauptsächlich mit neuen Technologien zur Energiegewinnung und der Kernfusion beschäftigte.
„Hältst du es für möglich, dass er tatsächlich ein Verfahren entwickelt hat?”
„Wer weiß, schon möglich”, erwiderte der Freund achselzuckend. „Vermutlich hat er nur Grundlagenforschung betrieben, auf deren Basis sich etwas entwickeln lässt, aber auch das wäre schon sensationell.”
„Ich melde mich später wieder, Augur”, sagte er. Da'an war zu dem Wissenschaftler zurückgekehrt und die beiden sprachen leise miteinander. Es schien, als versicherte der Taelon dem Mann erneut, dass er sich keine Sorgen machen brauchte.
„Was verlangen Sie eigentlich als Gegenleistung für Ihre Arbeit?”, fragte Liam plötzlich.
Dr. Facies zögerte, dann straffte sich seine Gestalt. „Ich mache mir nichts aus Geld oder Ansehen”, sagte er dann. „Als ich ein kleiner Junge war, wollte ich immer Astronaut werden und zum Mars fliegen. Ich war überzeugt, dass es dort Außerirdische gab, die sehr hochentwickelt waren, und dass ich mit ihnen Freundschaft schließen könnte. - Tja, das Leben entwickelt sich nicht immer so, wie man es sich erträumt, nicht wahr? Als die Taelons landeten, sah ich das als eine Art zweite Chance an. Trotz aller Bemühungen meinerseits kam ich aber nie in Kontakt mit ihnen.”
„Woher wussten Sie dann von dem Bedarf an Grundenergie?”
„Das geschah durch Zufall. In war an vielen Projekten beteiligt und hatte Zugriff zu vielen Daten. Es würde jetzt zu lange dauern, um Ihnen genau davon zu berichten.”
„Dann streben Sie also eine Zusammenarbeit mit den Taelons an? Ist es das, was Sie als Gegenleistung wünschen?”
Dr. Facies schüttelte den Kopf und sah dann zu Da'an hinüber. „Ich wünsche mir ein Sharing.”
„Wie bitte?”
„Ich bin damit einverstanden”, sagte Da'an sofort.
Liam nahm den Taelon beiseite. „Ich habe ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache.”
„Es ist nur ein Sharing, Liam.”
„Bei dem sehr viel passieren kann.”
„Ich werde Vorsicht walten lassen. Das verspreche ich Ihnen...”
In diesem Augenblick meldete sich Sandoval bei Liam. „Major, wieso befindet sich der Wissenschaftler noch nicht an Bord des Mutterschiffes?”
Rasch trat Da'an die Seite seines Beschützers. „Dazu gibt es keine Veranlassung.”
Sandoval wurde das Global aus der Hand gerissen und Zo'or erschien auf dem kleinen Bildschirm. „Es gibt sehr wohl eine Veranlassung. Mir ist bekannt, dass dieser Mann behauptet, den Bauplan zur Erstellung von Grundenergie zu besitzen. Falls dem so ist, gehört er unter Aufsicht, und zwar hier auf dem Mutterschiff.”
„Dr. Facies befindet sich bereits unter meiner Aufsicht”, entgegnete Da'an abweisend.
„Dir ist doch wohl klar, dass dein Verhalten von der Synode als sehr eigennützig gewertet werden wird.”
„Drohst du mir etwa, Zo'or?”
„Ich erinnere dich lediglich an deine Pflichten, Da'an. Über kurz oder lang wirst du dich für dein Verhalten rechtfertigen müssen.”
Das Bild erlosch und Liam steckte das Global zurück. „Es war zu erwarten, dass er hinter Ihr kleines Geheimnis kommen würde”, sagte er zu seinem Companion.
„Ich werde nicht auf das Mutterschiff gehen”, kam es von dem Wissenschaftler. Er wirkte jetzt sehr nervös und angespannt. Seine Hand schwebte über einer der Konsole. „Ich kann mit einem Schlag alle Daten löschen. Dann sind sie unwiderruflich weg.”
„Sie werden nicht auf das Mutterschiff gebracht”, versicherte ihm Da'an. Der Taelon wandte sich wieder an seinen Beschützer. „Können Sie ihn an einen sicheren Ort bringen?”
Liam nickte. „Ich bringe ihn zu Augur. - Was haben Sie vor?”
„Ich werde einige Taelons aufsuchen und mit ihnen sprechen. Von der Grundenergie hängt unser Fortbestehen ab. Es sollte nicht in die Hände eines Einzelnen gelangen.”
„Genau das wirft Ihnen Zo'or vor. Seien Sie vorsichtig, Da'an! Sie wissen, wie raffiniert er ist.”
Facies atmete geräuschvoll aus und ließ seine Hand wieder sinken. „Warten Sie, Da'an”, sagte er und kramte in einer seiner Ausrüstungsboxen. Er zog einen kleinen, etwa zehn Zentimeter großen Kasten hervor, den er an den Taelon übergab. „Das ist eine Probe. Ich denke, damit wirken Sie glaubwürdiger.”

Nachdem Da'an die Botschaft verlassen hatte, wandte sich Liam dem Wissenschaftler zu, um ihm erneut ein wenig auf den Zahn zu fühlen. „Die Geschichte, die Sie mir gerade erzählt haben, über die Träume Ihrer Kindheit - das klang sehr pathetisch. Als die Taelons auf der Erde landeten, als Ihnen bewusst wurde, dass die Menschen nicht allein im Universum waren, war das sicher ein großer Tag für Sie.”
Facies nickte. „Es war ein großer Tag für die ganze Menschheit. Ich nehme an, dass Sie auch überrascht und neugierig waren.”
„Sie sagten, Sie hätten sich bemüht, Kontakt mit den Taelons aufzunehmen”, fuhr Liam mit seiner Befragung fort. „Ich nehme an, Sie meinen damit die berufliche Ebene.”
„Auf allen Ebenen, um ehrlich zu sein. Es wurde zu meinem Lebenstraum.”
„Und jetzt verlangen Sie einzig und allein ein Sharing, obwohl Ihnen durch Ihre Entdeckung alle Türen offen stehen?”
„So ist es. Ich weiß, es klingt seltsam.”

Da'an hatte diskret einige wenige Taelons zusammengerufen und ihnen von seinem Projekt berichtet. Ihre helle Aufregung konnten sie nur mäßig unterdrücken. Der nordamerikanische Companion hatte damit gerechnet. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass wenig später Zo'or zu ihnen stieß, warum ebendiese Aufregung im Gemeinwesen wahrnahm. „Wie ich sehe, suchst du Unterstützung und Verbündete”, sagte der Synodenführer, während er genau registrierte, welche Taelons zu Da'ans Anhängern gehörten.
„Es ist zu wichtig, als dass ich riskieren kann, dass es in Gefahr gerät.”
„Mehr als alle anderen solltest du wissen, dass die Menschheit nicht in der Lage ist, Grundenergie herzustellen.”
„Dann überzeugt dich vielleicht diese Probe”, sagte Da'an und öffnete das kleine Kästchen. Er ließ Zo'or ein wenig von der lebenswichtigen Energie aufnehmen und beobachtete erregt, wie dieser seine menschliche Fassade verlor und aufleuchtete.
„Das beweist noch gar nichts”, sagte er, nachdem sein Äußeres wieder dem eines Erdenbewohners glich.
„Ja, wir benötigen die entsprechenden Grunddaten zur Fertigung”, pflichteten ihm die anderen Taelons bei. „Ohne eine intensive Prüfung ist diese Probe nicht aussagekräftig.”
Ein feines Lächeln umspielte Zo'ors Mund, doch Da'an ließ sich nicht täuschen. Er hatte die Gier in seinen Augen gesehen. Er musste vorsichtig sein.
„Ich werde die Daten zur Überprüfung bereitstellen lassen”, erklärte er.
„Die Probe ...”, sagte Zo'or und deutete auf den kleinen Kasten in Da'ans Hand. „Ich brauche sie für eine weitere Analyse.”
Der nordamerikanische Companion sah keinen Grund, ihm die Probe nicht auszuhändigen. Im Gegenteil, es verschaffte ihm mehr Zeit. „Wir sollten die Synode einberufen”, schlug er vor.
„Das wäre ein wenig zu voreilig, findest du nicht? Noch haben wir keine wirklichen Resultate vorzuweisen. Wir wissen nichts über diesen Menschen, über die Hintergründe seines Tuns. Wir können nicht von vornherein annehmen, dass seine Intension dem Wohle der Taelons dient.”
„Das hast du wahrscheinlich Recht”, erwiderte Da'an und tat so, als bemerke er die Umtriebigkeit seines Kindes nicht. Nachdem sich die kleine Gruppe wieder aufgelöst hatte, nahm er Kontakt mit Kincaid auf.
„Wie ist es gelaufen?”, fragte Liam.
„Zo'or wird uns vorerst in Ruhe lassen, sofern ich ihn mit einigen Daten versorge. Sorgen Sie dafür, dass es Dr. Facies an nichts mangelt. Sobald sich die Synode zusammenfindet, sollten wir eine Entscheidung finden, die es ihm ermöglicht, seine Forschung in größeren Bahnen fortzusetzen.”
„Wieso trifft sich die Synode nicht sofort?”, fragte sein Beschützer.
„Ich warte noch auf T'than. - Ich muss unser Gespräch jetzt beenden, Liam. Wir sehen uns später.”
Liam steckte sein Global weg und fragte sich verwundert, wieso T'than im Gemeinwesen nicht verfügbar war.

Zo'or saß in seinem Befehlsstand und drehte das kleine Kästchen mit der Grundenergie in den Händen. Sandoval stand pflichtbewusst an seiner Seite, bereit, auf das kleinste Zeichen hin zu reagieren. Er war angespannt. Zugern hätte er sich selbst mit den vorhandenen Daten beschäftigt. Wenn Zo'ors Behauptung stimmte, dass kein Mensch das Prinzip der Gewinnung von Taelon-Grundenergie begreifen oder gar umsetzen konnte, dann musste der Forscher ein Betrüger sein. In diesem Fall stellte er eine Bedrohung aller Taelons dar und er musste sich darauf vorbereiten. Doch sollte wider Erwarten Zo'or falschliegen, dann bedeutete es die größte Entdeckung überhaupt. Es konnte denjenigen, der darüber verfügte oder gar beherrschte, der das Alleinmonopol über seine Herstellung besaß, zum mächtigsten Menschen der Galaxie machen...
„Agent Sandoval”, riss ihn der Synodenführer aus den Träumen, „übergeben Sie dieses Kästchen an Ne'eg. Er weiß, wie er verfahren muss.”


Da'an unterhielt sich mit einigen Taelons, als ihn Ne'eg in sein Labor bat, das gleichzeitig auch eine Art Krankenstation darstellte. Wissenschaftliche Forschung und Heilung gingen bei den Außerirdischen oft Hand in Hand. Er hielt das von Sandoval überbrachte Kästchen in seiner Hand.
„Da'an”, sagte er sanft, „ich habe mich mit der Energieprobe beschäftigt, die ich von Zo'or erhalten habe. Um mich von der tatsächlichen Reinheit der Probe zu überzeugen, würde ich dir gern etwas davon injizieren.”
„Wieso benötigst du mich dafür?”, fragte Da'an so neutral wie möglich. Ne'eg war ein hochangesehener Taelonarzt und Wissenschaftler, dennoch war der nordamerikanische Companion vorsichtig. Die Vergangenheit hatte ihn gelehrt, dass selbst die vertrauenswürdigsten Personen einen Verrat begehen konnten, wenn es die Situation von ihnen verlangte.
„Ich habe bereits verschiedene Companion getestet und dabei Unterschiede in den Testergebnissen festgestellt. Ich nehme an, dass sich die Energiestrukturen aufgrund verschiedener Umstände verändern können. Das Alter und die Fortpflanzung scheinen dabei eine Rolle zu spielen. Du hast dich als letzter Taelon erfolgreich fortgepflanzt. Ich glaube, dass ich die Testergebnisse von dir als Grundlage für alle anderen verwenden kann.”
Das klang so plausibel, dass Da'an dem Test zustimmte. Zudem erinnerte ihn die mittlerweile auf das ganze Volk übergegangene Unfruchtbarkeit seiner Spezies daran, wie wichtig Facies Entdeckung war.

Facies arbeitete intensiv an seiner Datenkonsole, während sich Liam mit einem Tablet-PC auf dem stufenlosen Aufgang zur nächsten Ebene die Zeit vertrieb. Sein Platz war unbequem, weil er immer wieder ins Rutschen kam. Ein paar Mal hatte er versucht, mit dem Wissenschaftler ins Gespräch zu kommen, vergeblich. Der Mann schien an einer Konversation nicht interessiert. Er brütete über seine Programme und Algorithmen und vergaß darüber seine Umwelt. Das Einzige, was er hin und wieder bemerkte, war die Wärme des Raumes, die ihm viel zu hoch schien. Da'an bevorzugte eine Temperatur zwischen 23 und 25. Liam hatte sie bereits auf 20 gesenkt, um es dem Forscher angenehmer zu machen. Dennoch beklagte sich Facies weiter. Der junge Beschützer drosselte sie weiter bis auf 18 und zog sich die Jacke über. Als es Facies noch immer nicht reichte, beschloss er, ihn zu ignorieren. Wahrscheinlich bildete er sich die Wärme ein, weil sein Kopf von all den Zahlen und Formeln rauchte.
Einige Stunden waren vergangen, als plötzlich das Portal ansprang und Sandoval und ein Trupp Freiwilliger mit gezückten Waffen das provisorische Labor stürmten. „Dr. Facies, Sie stehen hiermit unter Arrest!”, rief der FBI-Agent und gab seinen Männern ein Zeichen, den Wissenschaftler zu packen.
„Halt! Moment mal. Was hat das zu bedeuten?”, fragte Kincaid und stellte sich sofort schützend vor den Wissenschaftler. „Was wird ihm vorgeworfen?”
„Versuchter Mord an Da'an!”

Da'an krümmte sich auf seiner Liege in der Krankenstation. Seine menschliche Fassade hatte sich aufgelöst. Die Energiebahnen in seinem Körper pulsierten heftig, die Energieströme zuckten durch seinen Leib wie Blitze bei einem heftigen Gewitter. Ne'eg und weitere Taelons versuchten vergeblich, ihm Hilfe zukommen zu lassen.
Überrascht starrte Facies auf den Taelonkörper, der sich immer wieder verkrampfte. „Was ist passiert?”, fragte er.
„Das möchte ich von Ihnen wissen!”, sagte Zo'or und trat an das Lager des Taelons, der ihm einst das Leben schenkte. „Sie haben Da'an vergiftet. - Das war Ihr Plan von Anfang an. Sie sind ein Sympathisant irgendeiner rassistischen Gruppierung. Doch dafür werden Sie büßen.”
Der Wissenschaftler bekam keine Gelegenheit zur Erwiderung, denn Zo'or ließ ihn wegbringen.
Liam starrte entsetzt auf den sich windenden Taelon. „Wie kann das möglich sein? Sie haben die Probe doch sicher vorher getestet.”
„Selbstverständlich wurde sie getestet”, versicherte Ne'eg. Er wirkte beinahe verzweifelt.
„Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, wann auch die anderen erkranken, die von dieser Probe gekostet haben - meine Person eingeschlossen”, sagte Zo'or.
„Dr. Facies wirkte nicht wie jemand, der Da'an töten wollte. Lassen Sie mich mit ihm reden.”
„Das ist pure Zeitverschwendung”, warf Sandoval ein. „Er wird kaum seinen teuflischen Plan eingestehen.”
Kincaid eilte zu den Verhörzellen.
„Mr. Kincaid, ich hoffe, Sie haben gute Nachrichten!”, rief Facies und sah ihn hoffnungsvoll an.
„Leider nein. - Wie konnte es dazu kommen? Ist Ihre Probe irgendwie kontaminiert?”
Der Wissenschaftler fuhr sich durchs Gesicht. „Nein, nicht das ich wüsste. Ich verstehe das einfach nicht. Da'an kann nicht durch die Probe erkrankt sein. Sie bestand aus reiner Grundenergie...”
Liams Global piepte. Es war Sandoval und er hatte keine guten Nachrichten. Zwei weitere Taelons, die ebenfalls von der Probe gekostet hatten, waren erkrankt und auch Zo'or begann erste Anzeichen der Krankheit zu zeigen.
Kurze Zeit später wurde er von Ne'eg kontaktiert. „Major Kincaid. Ich bin überzeugt, dass die Probe der Auslöser für Da'ans Krankheit ist. Sie scheint so etwas zu sein, was die Menschen eine allergische Reaktion' nennen. Die Probe ist mittlerweile fast aufgebraucht. Ich benötige mehr davon, um sie untersuchen zu können. Außerdem ist es erforderlich, dass wir die genaue Aufschlüsselung der Daten zur Herstellung der Grundenergie erhalten, um Abweichungen oder Anomalien festzustellen.”
„Ich kümmere mich darum”, versprach Liam.
„Ich habe noch einen Behälter in der Botschaft”, sagte Facies. Er zog aus seiner Jackentasche einen kleinen Impulsgeber. „Hiermit können Sie ihn lokalisieren und auch öffnen.” Er wirkte sehr bedrückt. Da'ans Schicksal schien ihm sehr nahe zu gehen.
„Was ist mit den Daten?”, fragte Kincaid. „Wir brauchen Zugriff darauf.”
„Das ist nicht möglich.”
Liam musste tief durchatmen, um ruhig zu bleiben. „Sie waren bereit, Da'an diese Daten zu überlassen - für ein Sharing. Wieso sträuben Sie sich jetzt?”
„Es tut mir leid”, erwiderte Facies bekümmert. „Es geht beim besten Willen nicht.”
„Nun, es Ihre Entscheidung”, sagte Liam kühl. „Ich hatte nur angenommen, Ihnen liegt etwas an Da'an.”
„Er ist sehr wichtig”, versicherte der Forscher, „mehr als Sie je begreifen werden. Er ist die Zukunft.”
„Dann haben wir wohl offensichtlich unterschiedliche Ansichten darüber, ob man eine wichtige Person so einfach sterben lässt.” Kincaid verließ den Zellenbereich und sorgte dafür, dass der Behälter mit Grundenergie auf das Mutterschiff gebracht wurde. Anschließend erkundigte er auf der Krankenstation nach den Fortschritten. „Es ist mir gelungen, Da'ans Zustand zu stabilisieren”, sagte Ne'eg. „Dadurch ist er nicht mehr in unmittelbarer Gefahr und wir gewinnen etwas Zeit. Ohne die Ursache für die heftige Reaktion zu kennen, kann ich ihn nicht heilen. Das bedeutet, dass sich sein Zustand wieder verschlechtern wird.”
„Haben Sie mit dem Wissenschaftler gesprochen?”, krächzte es hinter Liam. Zo'or kam auf ihn zu. Seine Bewegungen waren langsam und wirkten steif. Sein Gesicht hatte eine gräuliche Farbe angenommen und ein heftiges Zucken durchlief in regelmäßigen Abständen seinen Körper. Auch ohne seinen Zustand zu kennen, sah man ihm an, wie schlecht es ihm ging. Dennoch schien er sich zu weigern, sich ebenfalls auf eine Liege auszustrecken. „Kann uns Dr. Facies helfen?”
„Er hat uns einen weiteren Kanister Grundenergie zur Verfügung gestellt. Dafür fehlen uns aber noch immer die Daten.”
„Dann sorgen Sie dafür, dass er Sie ausspuckt”, zischte Zo'or zornig. „Es ist mir egal, wie Sie das anstellen, solange wir Ergebnisse erhalten.”

Liam versuchte es erneut bei dem Wissenschaftler, jedoch ohne Erfolg. Facies lehnte es ab, die Daten herauszurücken. „Es tut mir leid, ich kann Ihnen die Daten nicht geben”, sagte er immer wieder.
Plötzlich meldete sich Ne'eg sehr aufgeregt. „Major Kincaid, Da'ans Zustand hat sich gerade dramatisch verschlechtert. Er liegt im Sterben...”
Da'ans Beschützer starrte den Forscher grimmig an. Schließlich öffnete er die Tür, packte den Mann und zerrte ihn auf die Krankenstation. „Ich möchte, dass Sie dabei sind, wenn Da'an stirbt.”
Die Energiewellen, die den Körper des erkrankten Taelons durchzuckten, waren extrem verlangsamt. Da'an war bei Bewusstsein. Ganz gefasst und ruhig erwartete er sein Ende.
„Ich bitte Sie, Doktor”, flehte Liam. „Lassen Sie nicht zu, dass Da'an stirbt.”
„Kincaid”, mischte sich Sandoval ein, „Sie gehen zu zimperlich mit diesem Mann um. Ich werde die notwendigen Informationen schon aus ihm herausbekommen - sofern Sie erlauben, Zo'or.” Fragend sah er sich nach seinem Herrn um.
Der Synodenführer starrte auf Da'an nieder. Dann hob er den Kopf und blickte den Wissenschaftler an. „Sie können keine Grundenergie herstellen”, sagte er mit wachsender Erkenntnis. „Sie haben uns etwas vorgemacht. Es gibt keinen Bauplan, keine Grundlagenforschung. Ihre Daten sind eine Ansammlung raffiniert zusammengestellten Theorien und Thesen...”
„Lassen Sie mich Da'an retten!”, kaum es aus Facies geschossen. „Ich kann ihn am Leben erhalten.”
„Und wie wollen Sie das anstellen? Mit der gestreckten Grundenergie, die Sie vermutlich den Taelons gestohlen haben?”, herrschte ihn Zo'or an. Er geriet plötzlich ins Schwanken und nur Sandovals beherzter Zugriff verhinderte einen Sturz. Er fing den schmalen Taelon auf und legte ihn auf die nächste freie Liege. Ne'eg kümmerte sich sofort um ihn.
Liams Gedanken rasten. „Hat Zo'or Recht? Haben Sie gelogen, was die Herstellung von Grundenergie angeht?”
Der Forscher nickte niedergeschlagen. „Es stimmt. Ich kann keine Grundenergie herstellen, aber - ich kann Da'an retten!”, fügte er aufgeregt hinzu. „Ich kann das Ungleichgewicht wieder herstellen, wenn Sie mich zu ihm lassen.”
„Auf keinen Fall”, warf Sandoval ein, der besorgt an der Seite seines Herrn verharrte. Er gab den Wachen ein Zeichen. „Bringen Sie den Mistkerl zurück in die Zelle.”
„Halt! Moment mal. Er soll es versuchen.”
„Glauben Sie ihm etwa?”, ereiferte sich Sandoval. „Er hat uns belogen. Er will den Taelons nicht helfen, er will sie umbringen.”
Liam ignorierte den Asiaten und schob den Forscher näher zu Da'ans Liege. „Ich weiß nicht warum”, sagte er leise, „aber irgendwie glaube ich nicht, dass es Ihre Absicht war, Da'an in Gefahr zu bringen. Wenn Sie ihn also retten können, dann tun Sie es.”
Facies sah ihn lange an und nickte dann. Er legte seine Hände auf Da'ans Brust. Die Energiebahnen im Körper des Taelons begannen zu pulsieren, immer schneller und kräftiger. Ein starkes weißes Licht schien aus seinem Inneren zu kommen. Es umhüllte ihn bald gänzlich und auch den Wissenschaftler. Es wurde immer greller und Liam musste sich abwenden und die Augen bedecken. Selbst durch die geschlossenen Lider schien es zu dringen. Dann hörte er Da'an und Facies aufschreien. Im nächsten Augenblick war das grelle Licht weg und nur Stille um ihn herum.
Liam öffnete vorsichtig die Augen. Er blinzelte ein paar Mal, dann konnte er wieder klar sehen und klar denken. Sandoval lag auf dem Boden, war aber nur bewusstlos. Auch die anwesenden Freiwilligen hatte es niedergestreckt. Zo'or lag mit geschlossenen Augen auf seiner Liege, Ne'eg kümmerte sich bereits um ihn. Dort, wo Facies gestanden hatte, war nicht mehr als ein kleines Aschehäuflein zu sehen. „Es hat ihn getötet”, flüsterte Da'an, der sich langsam aufrichtete und dann wieder sein menschliches Aussehen annahm.
„Wie geht es Ihnen?”, fragte Liam besorgt.
Da'an horchte in sich hinein und sagte dann: „Ich fühle mich ein wenig schwach, ansonsten geht es mir gut. Was immer mir widerfahren ist, Dr. Facies hat es geheilt.”
„Oder rückgängig gemacht”, meinte sein Beschützer und betrachtete seinen Companion ganz genau. Er kannte Da'an inzwischen so gut, dass er relativ schnell merkte, wenn dieser ihm etwas verheimlichte.
„Ich würde sehr gern in die Botschaft zurückkehren”, sagte der Taelon, ohne auf seine Bemerkung einzugehen. Ne'eg untersuchte ihn und gab dann sein Einverständnis. „Wie geht es Zo'or?”, wollte Da'an noch wissen, bevor er die improvisierte Krankenstation verließ.
„Er ist von der Probe der Grundenergie weniger beeinträchtigt als du. Er wird sich rasch erholen.”

Kincaid betrat die Botschaft. Da'an saß bereits auf seinem Thron und studierte die neuesten Nachrichten. Als er seinen Beschützer gewahrte, schloss er den Datenstrom.
„Wie ich sehe, geht es Ihnen wieder gut”, sagte Liam und kam gleich auf den Punkt. „Ich habe über diesen Dr. Facies nachgedacht. Ich denke, dass er nicht das war, was er vorgab zu sein.”
„Wie kommen Sie darauf?”, fragte der Companion.
„Nun, er hat Ihnen das Leben gerettet. Ob er wusste, dass er dabei das seine verlieren würde, wissen wir nicht. Vielleicht war es eine heroische Geste, vielleicht nur ein Unfall. - Ich habe mit Ne'eg gesprochen. Er sagte, dass inzwischen feststeht, dass die Probe nicht kontaminiert war, sondern gewissermaßen inkompatibel. Die Frequenz unterschied sich vom energetischen Profil der Taelons. Wäre mit Ha'gel nicht der Letzte seiner Art gestorben, würde ich auf einen Kimera tippen.”
Da'an lächelte, so wie man bei einem Kind lächelte, dass gerade eine selbstgebastelte abstruse Theorie zum Besten gab. Er verließ seinen Thron und bewegte sich anmutig durch den Raum. „Eine interessante Theorie”, sagte er, „doch ich muss Sie leider enttäuschen. Dr. Facies war nichts weiter als ein fanatischer Mensch, der sich die spirituelle Vereinigung mit einem Taelon wünschte, ein Austausch sowohl auf emotionaler wie geistiger Ebene, weil er sich dadurch vielleicht eine neue Perspektive erhoffte. Er rettete mir nicht das Leben, sondern starb stattdessen durch mich, vielmehr durch die Heilkräfte meines Körpers. Und was die Energieprobe angeht, so bin ich davon überzeugt, dass er sie über den Schwarzmarkt erworben hat.” Dabei sah er seinen Beschützer mit dem unschuldigsten Blick an.
Liam seufzte. „Natürlich, Da'an”, sagte er resigniert. Wie schon so oft, musste er akzeptieren, dass der Taelon seine Geheimnisse hatte. Im Hinausgehen drehte er sich noch einmal um. „Das Wort 'Facies' ist lateinisch und bedeutet 'äußerer Schein'. Ein komischer Zufall, nicht wahr?”
Kaum hatte er die Botschaft verlassen, als Da'an das Gebäude anwies, die Räume zu verschließen und sämtliche Überwachungs- oder Aufzeichnungsgeräte zu blockieren. Dann öffnete er einen gesicherter privaten Datenstrom. „Zo'el”, sagte er aufgeregt, als sich ein Taelon in dem energetischen Schauer zeigte. „Wir hatten Erfolg. Unser erster Kontakt ist geglückt.”
„Denkst du, er war ein Jaridian?”, fragte Zo'el.
„Ohne Zweifel.”
„Warum hat er sich dir gegenüber nicht zu erkennen gegeben?”
„Weil sie nicht wissen, ob sie mir vertrauen können. Dies war offensichtlich ein Test. Er wollte unsere Kompatibilität prüfen. Deshalb strebte er auch das Sharing an.”
„Dann war die Energieprobe, die er bei sich führte, wahrscheinlich seine eigene Lebenskraft.”
„Ja, so ist es.”
„Er opferte sich letztendlich, um dich zu retten, Da'an.”
Der nordamerikanische Companion nickte bekümmert. „Er wollte sichergehen, dass ich überlebe und diesen Pfad weiter beschreite.”
Beide sahen sich lange an. „Wenn es gelingt, Da'an, dann werden unsere Völker wieder eins sein.”
„Ja”, hauchte der Taelon.

 

ENDE

 

Zurück / Back

 

Zum Seitenanfang